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Mittwoch, 8. Mai 2013

Reisen, um nicht anzukommen - Geoff Dyer




Noch geschwächt von den Nachwirkungen meiner Erkrankung, griff ich zu vermeintlich leichter Kost und las Geoff Dyers Roman, Reisen, um nicht anzukommen. Laut Klappentext eine Sammlung schillernder Geschichten über das Sich-treiben-Lassen, über das Driften zwischen Orten und Unorten, Drogen und Träumen, Stimmungen und der Suche nach extremen Erlebnissen. Dyer erzählt von einem, seinem, Leben auf der Durchreise. Er ist unterwegs von Amsterdam nach Kambodscha, von Rom nach Indonesien, von New Orleans nach Libyen, von Ko Pha Hgan in die Wüste von Nevada.

Der Autor ist ein Getriebener. Auf der Flucht vor sich, auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens. Immer in der Hoffnung, dass anderswo mehr passiert, als zu Hause. Begleiter seiner Suche sind Frauen, Partys und Drogen. Wobei die Sinnsuche an sich ja nichts negatives wäre. Er beschreibt diese Suche gelegentlich durchaus geistreich, selbstironisch und mit Wortwitz. Immer wieder erkennend, dass er sich selbst etwas vormacht und im Grunde, trotz seines fortgeschrittenen Alters, weder ein Ziel noch eine Richtung hat. Doch diese kurz aufflackernden Momente der Erkenntnis haben keinen Einfluss auf seine Geschichten.

Der Leser erfährt ein wenig über die jeweiligen Sehenswürdigkeiten die er besichtigt. Doch davon abgesehen, erzählt er vorwiegend über seine Befindlichkeiten. Ausführlich schildert er, wie sehr er unter der Hitze in Asien und Rom litt, gelegentlich gibt es philosophische Abhandlungen über geschichtsträchtige Ruinen und Reisfelder, die vor Grün brummen. Extreme Erlebnisse finden sich nur in seinen Drogengeschichten.

Irrlichternd bewegt er sich durch sein Leben und Länder. Nächtigt in billigen Touristenhotels, die schon auch mal von Mäusen mitbewohnt werden, und jammert über deren mangelhafte Ausstattung. Kontakte zu Einheimischen kommen in seinen Erzählungen nicht vor, von Taxifahrern, Hotelangestellten und Kellnern abgesehen. Jene Menschen die in seinen Geschichten Platz finden, sind Freunde, Bekannte oder Touristen.

Da habe ich mir doch etwas mehr erwartet. Aber selbst wenn ich meine Erwartungen zur Seite lege, haben mich die selbstverliebten, von Zitaten gespickten Geschichten und die langatmigen Erzählungen der jeweiligen Drogenexzesse nicht beeindruckt. 

Trotz einiger, sprachlich sehr schön geschriebener Passagen, legte ich das Buch verärgert zur Seite, nachdem ich die letzten Geschichten nur mehr überflogen habe. Inhaltlich hätte man aus den Geschichten deutlich mehr machen können. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor von überall ein bißchen etwas in sein Buch einfügen wollte. Ein bißchen Selbstfindungstrip, gespickt mit Drogenerfahrung und, weil gerade so gut zum Zeitgeist passend, auch noch etwas zum Thema Individualreisen. Gelungen ist es ihm nicht. Auch wenn Geoff Dyer als englischer Kultautor bezeichnet wird, so hat mich dieses Werk nicht überzeugt.


Geoff Dyer
Reisen, um nicht anzukommen
Aus dem Englischen von Regina Rawlinson
2004, Argon Verlag GmbH, Berlin

Über den Autor:
Geoff Dyer, geboren 1958, lebt als Schriftsteller in London, wo er einen Großteil seiner Zeit damit verbringt zu wünschen, er lebte in San Francisco. 

Sonntag, 31. März 2013

Sommerzeit + Schnee = Urlaub

"Was ist denn hier los?", war mein erster Gedanke, als ich heute morgen aus dem Fenster blickte und mir mein schon wieder schneebedeckter Garten zuzwinkerte. Leuchtendes Steingrau seit vielen Wochen, nicht enden wollende Nässe und Kälte hätten doch beinahe dazu geführt, dass sich mir Frohnatur die Stirn in unwillige Falten legt und meine Mundwinkel eine leichte Abwärtstendenz entwickeln. 

Wenn ....., ja, wenn nicht schon der Koffer gepackt wäre, Fotoapparat und Bücher (eines im Koffer und zwei im Handgepäck) verstaut sind und es in wenigen Stunden zum Flughafen geht.

Sonne, Meer (wenn auch noch zu kalt zum Baden), Blumen und ganz viel bunt - ich freu mich schon auf Malta! Die herrliche Altstadt, Museen, Kirchen und viele Fotomotive die nur darauf warten, von mir entdeckt zu werden.

Im Reiseführer habe ich gelesen, dass es am Sonntag einen tollen Flohmarkt in Valletta gibt - mein Liebster weiß noch nichts davon, aber den werden wir auf jeden Fall besichtigen. Es gibt ja kaum einen Trödelmarkt auf dem ich nicht irgendeine total überflüssige Kleinigkeit finde, die ich aber unbedingt haben muss. Vermutlich ist das so eine Art Virus gegen den es, glücklicherweise, kein Heilmittel gibt.  

Internetanschluss vorausgesetzt, werde ich nächste Woche einige Impressionen  aus Malta bloggen.